Sophia in Spanien

Azur blauer Himmel, bunte Häuser und rote Erde!

Name: Sophia
Ausbildung: Augenoptikerin
Praktikumsort: Sevilla/ Spanien

 

Im Oktober und November hatte ich die Möglichkeit während meiner Ausbildung zur Augenoptikerin ein vierwöchiges Auslandspraktikum in Sevilla zu absolvieren. Wenn ich an mein Praktikum in Sevilla denke, denke ich zuerst an die Farben, das Licht und den Duft nach Orangen, nachdem ein zarter Regen die Blätter der Orangenbäume zum Tanzen brachte. Sevilla liegt im äußersten Süden von Spanien in Andalusien und gehört zu den wärmsten Orten Europas. Aber nicht nur das gute Wetter, sondern auch die alten Kulturdenkmäler, das Essen, die Lebensart und das Seite an Seite Leben und Arbeiten mit den Spaniern sollte mich begeistern.

Während meines Pratikums wurde ich zusammen mit zwei meiner Reisebegleiterinnen bei einer echten spanischen Señora – temperamentvoll, laut und sehr herzlich- untergebracht. Von ihr wurden wir täglich bekocht, bekamen alle Insider-Tipps und natürlich wurde viel getratscht, auf schnellem, lauten Spanisch. Für mich persönlich war die Sprache am Anfang eine besonders große Herausforderung, konnte ich doch kein Wort Spanisch vor Beginn dieser Reise. Das sollte sich aber schnell ändern.

In der ersten Woche durften wir eine Sprachschule besuchen und ich merkte bald, wie schnell man eine neue Sprache lernt, wenn man in einem fremden Land umgeben von einer Sprache ist. Ich habe gelernt, dass man am schnellsten und einfachsten voranschreitet, wenn man sich mutig in jene Situationen bringt, in denen man mit Einheimischen reden muss. Und mit ein paar Vokabeln, dem Zeigen von Willen und vielleicht ein bisschen Hand-und-Fuß, ging meine Spanisch-Lernkurve rasant nach oben.
Aber natürlich haben wir auch die Stadt erkundet und uns die Sehenswürdigkeiten angeschaut. In der Stadt findet man Spuren zahlreicher Kulturen, die über die Jahrhunderte hier lebten. Besonders beeindruckt haben mich die alten Bauten der Mauren, hier am eindrucksvollsten und sicherlich auch am berühmtesten ist die Real Alcázar. Der Königspalast scheint wie aus 1000 und eine Nacht und verzaubert mit seiner riesigen Gartenanlage. Die erste Woche nutze ich also um mich zu orientieren, die Stadt kennenzulernen und  mich dem Lebensrhythmus der Spanier anzupassen.

 

Ab der zweiten Woche arbeitete ich bei einem sehr kleinen Optiker – die Chefin, Rita, arbeitet hier ganz alleine. Trotzdessen, dass Rita ausschließlich Spanisch spricht, hat alles sehr gut funktioniert und so arbeiteten wir schnell Hand in Hand. Meine spanische Chefin war nämlich sehr erstaunt über meine handwerklichen Fähigkeiten, die ich durch meine Ausbildung in Deutschland erlangen konnte. In Spanien ist der Beruf kein Ausbildungsberuf, sondern ein Studium und so kommt es, dass die spanischen Optiker so gut wie keine praktische, sondern eine rein theoretische Ausbildung erhalten. Natürlich gibt es in unserem Beruf einiges an Theorie zu lernen, aber es ist halt nur ein Teil. Der andere ist das Handwerk und ich finde es sehr schade für die spanischen Kollegen, dass dieser praktische Teil so wenig gelehrt wird.
Trotz alledem konnte ich auch im spanischen Betrieb meine praktischen  Fähigkeiten weiter üben, den Umgang mit technisch modernsten Geräten lernen und Spannendes über die neuesten Glasentwicklungen lernen. Ein großer Schatz, von dem ich auch noch in Zukunft profitieren kann.

Abgesehen von den manchmal improvisierten Reparatureinlagen, ähnelt das Arbeiten bei einem spanischen Optiker sehr dem in Deutschland. Aber etwas anders sind die Arbeitszeiten. An vier Stunden Mittagspause und arbeiten bis in den späten Abend, muss man sich doch erst einmal gewöhnen. Aber ich fühlte mich sehr schnell zu dieser Stadt und ihrem Rhythmus zugehörig. Das lag zum einen an meiner sehr sympathischen Chefin, aber auch an den netten und neugierigen Kunden. Hatte sich doch im Viertel schnell herumgesprochen, dass es bei Óptica Felipe II eine deutsche Praktikantin gibt. Und so lernte ich in kurze Zeit Menschen aus Spanien, Italien, Belgien, Deutschland und vielen anderen Regionen kennen, die alle begeistert von dieser Stadt waren und alles aus  meiner Heimat erfahren wollten. Das war sehr schön und mein Spanisch wurde immer besser.

Aber natürlich nutzten meine Mitreisenden und ich auch die Zeit an den Wochenenden,  um Andalusien kennenzulernen. Wir besuchten Cordoba mit ihrer eindrucksvollen Mesquita und machten einen Ausflug an den Atlantik nach Cádiz.

Ich hab die Möglichkeit genutzt, eine ganz besondere Erfahrung während meiner Ausbildung zu machen. Das Praktikum hat mir bestätigt, dass Optikerin sein das richtige für mich ist. Ich durfte ein Land kennenlernen, wie man es bei keinem Urlaub kann, konnte eine neue Sprache kennenlernen, Freundschaften schließen und einiges an Selbstbewusstsein tanken. Ich kann nur jedem empfehlen diese tolle Chance zu nutzen und sich sorgenfrei auf dieses Abenteuer einzulassen. Es ist eine echte Bereicherung.

Und ich werde immer als erstes an die Farben, das Licht und den Duft von Orangen denken, beim Schwelgen in den Erinnerungen an mein Praktikum. Und natürlich an Tapas 🙂