Natürlich ist es für entsendende Betriebe, ebenso wie aufnehmende Betriebe, sehr wichtig über sämtliche rechtlichen Fragen oder Fragen zur Versicherung informiert zu sein. Auf dieser Seite erhalten Sie einige wichtige Hinweise zu beiden Themen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie sich jederzeit an die jeweiligen >>Ansprechpartner wenden.

Rechtliches – das Berufsbildungsgesetz

Das novellierte Berufsbildungsgesetz (BBiG) stärkt die Bedeutung internationaler Mobilität in der Berufsausbildung erheblich, indem es Ausbildungsabschnitte im Ausland erstmals als gleichwertigen Teil einer Berufsausbildung im dualen System anerkennt. Entscheidend für diese Neuerung sind folgende Paragraphen im BBiG:

BBiG § 2 Abs 3
„Teile der Berufsausbildung können im Ausland durchgeführt werden, wenn dies dem Ausbildungsziel dient. Ihre Gesamtdauer soll ein Viertel der in der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsdauer nicht überschreiten.“

BBiG § 76 Abs 3
„Die Durchführung von Auslandsaufenthalten nach § 2 Abs. 3 überwacht und fördert die zuständige Stelle in geeigneter Weise. Beträgt die Dauer eines Ausbildungsabschnitts im Ausland mehr als vier Wochen, ist hierfür ein mit der zuständigen Stelle abgestimmter Plan erforderlich.“

Auslandspraktika ein Teil der Ausbildung
Nach § 2 Abs.3 BBiG wird der Auslandsaufenthalt rechtlich als Teil der Berufsausbildung behandelt, sofern er dem Ausbildungsziel dient. Dies ist dann der Fall, wenn die im Ausland vermittelten Ausbildungsinhalte im Wesentlichen dem Gegenstand der inländischen Ausbildung entsprechen, Sprachkenntnisse vermittelt werden und/oder sonstige zusätzlich Kompetenzen auf persönlicher und fachlicher Ebene erworben werden.

Das Ausbildungsverhältnis wird nicht unterbrochen
Der Auslandsabschnitt hat rechtlich keinen Einfluss auf das inländische Ausbildungsverhältnis. Demnach findet durch den Auslandsaufenthalt keine Unterbrechung des Ausbildungsverhältnisses statt.

Ausbildungsvergütung wird weiterhin bezahlt
Der inländische Ausbildungsbetrieb hat die Verpflichtung, die Ausbildungsvergütung während des Auslandsaufenthaltes weiter zu bezahlen. (§§ 17 ff BBiG),

Dauer des Auslandsaufenthaltes
Die Ausbildungsabschnitte im Ausland dürfen maximal ein Viertel der in der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsdauer betragen. Anrechnungen bzw. Ausbildungszeitverkürzungen nach den §§ 7 und 8 BBiG bleiben hierbei unberücksichtigt. Bei einer dreijährigen Ausbildungsdauer wird ein Auslandsaufenthalt bis zu maximal 9 Monaten möglich sein.

Überwachung und Beratung
Absatz 3 Satz 1 des & 76 BBiG legt fest, dass bei einem Auslandsaufenthalt, der die Dauer von vier Wochen überschreitet, ein mit der zuständigen Stelle (die jeweils zuständige Kammer) abgestimmter Plan erforderlich ist. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Vertrag handeln, der mit den Auszubildenden im Rahmen eines durch das Programm Leonardo da Vinci geförderten Projektes, abgeschlossen werden muss.

Weitere Informationen zu Berufsbildungsgesetz /Auslandspraktika während der Ausbildung
www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsgesetz.pdf

Versicherungsfragen – Auslandsaufenthalte während der Ausbildung

Sozialversicherung während den Auslandsaufenthalten

Wird ein Auslandspraktikum innerhalb der Ausbildung absolviert, bleibt der Sozialversicherungsschutz bestehen, da

  • das inländische Ausbildungsverhältnis nicht unterbrochen wird,
  • die/der Auszubildende sich auf Anweisung eines Ausbildungsbetriebes ins Ausland begibt,
  • die/der Auszubildende in den inländischen Ausbildungsbetrieb integriert bleibt,
  • der Auslandsaufenthalt zeitlich befristet ist.
  1. Krankenversicherung
    (bisherige Pflichtversicherung in Deutschland bleibt bestehen)
    Auslandsentsendung: Beiträge werden unverändert weiterbezahlt. Private Zusatzversicherung für den Auslandsaufenthalt s.u. wird empfohlen.
  2. Pflegeversicherung
    (Bestehende Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung)
    Auslandsentsendung: Pflichtversicherung in der Pflegeversicherung bleibt bestehen.
  3. Unfallversicherung
    (Die deutschen Rechtsvorschriften gelten weiter)
    Auslandsentsendung: Die gesetzliche Unfallversicherung bleibt unverändert bestehen.
  4. Rentenversicherung
    (Die deutschen Rechtsvorschriften gelten weiter)
    Auslandsentsendung: Die Pflichtversicherung bleibt unverändert bestehen.
  5. Arbeitslosenversicherung
    (Die deutschen Rechtsvorschriften gelten weiter)
    Auslandsentsendung: Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung bleibt bestehen.

Was ist vor einem Auslandsaufenthalt bezüglich Versicherung zu tun?

  • Sicherstellen, dass die Krankenversicherungskarte europaweit gültig ist (Inzwischen ist es bei fast allen Krankenversicherungen Standard, dass die Versicherungskarten europaweit benutzt werden können).
  • Ergänzend zur gesetzlichen Krankenversicherung empfiehlt es sich, eine zusätzliche Unfall-, Haftpflicht- und Krankenversicherung für den Auslandsaufenthalt abzuschließen. Diese greift während Auslandsaufenthalten innerhalb der Ausbildung insbesondere dann, wenn es zu einem Schaden außerhalb eines Betriebspraktikums, im Freizeitbereich kommt.

Wer ist zuständig für einen Arbeitsunfall während des Auslandspraktikums?

Für den Fall, dass es während des Auslandsaufenthaltes im Praktikumsbetrieb zu einem Unfall kommt, ist wie bei einem Arbeitsunfall im regulären Ausbildungsbetrieb die jeweilige Berufsgenossenschaft zuständig und umgehend darüber zu informieren. Es wird empfohlen, bevor ein Auslandspraktikum begonnen wird, die Berufsgenossenschaft darüber in Kenntnis zu setzen.