Luca in Carlow

Zurückkommen werde ich auf alle Fälle

Erfahrungsbericht, Luca Erstling
Ausbildung zum Zimmermann
Praktikum in Carlow, Irland

Alles beginnt am 22.September auf dem Stuttgarter Flughafen, wo sich alle Praktikanten treffen, um gemeinsam die Reise anzutreten. Weil man sich viel zu erzählen hat, geht die Zeit wie im Fluge und auf einmal steht man am Airport Dublin, wo wir abgeholt werden. Angekommen bei der Sprachschule Carlow International European Language School (CIELS) geht es für Paul, Björn und mich auch gleich weiter in die Gastfamilien. Dort werden wir mit einem Abendessen und sehr viel Gastfreundlichkeit empfangen. Die erste Erfahrung von Irland: Man ist gleich mit allen per du.

 

Für die erste Woche ist für uns ein Sprachkurs vorgesehen, um unsere Englisch-Kenntnisse zu verbessern und uns auf die Arbeit vorzubereiten. Wir treffen uns am Morgen in der Sprachschule und lernen ein paar niederländische und finnische Praktikanten kennen, die schon länger hier leben und uns die Stadt Carlow zeigen. Dabei kommt man viel ins Gespräch und man merkt, wie man langsam ins Englische hineinkommt. Mittags fahren wir dann zu den einzelnen Betrieben und Werkstätten, um die zukünftigen Arbeitgeber kennenzulernen. Wir klären alle letzten Fragen, wie Arbeitszeiten, Kleidung und den Arbeitsweg und machen uns auf den Heimweg. Die folgenden Tage besuchen wir eine English Class im Carlow Institute of Technology und lernen viele theoretische, aber vor allem Praktische Anwendungen der Englischen Sprache, wie das diskutieren, das Äußern seiner eigenen Meinung und sprechen über Unterschiede einzelner Kulturen. Wir haben das große Glück, dass wir in der sogenannten Freshers Week ankamen, in der alle Pubs und Clubs von Studenten gefüllt sind, überall Live-Musik gespielt wird und alle in Party-Stimmung sind. Wir haben großen Spaß uns den Studenten anzuschließen, vom lokalen Bier zu kosten und das typisch Irische Nachtleben kennenzulernen.Die Wochenenden sind von uns vollgepackt mit Ausflügen. Das große Problem in Irland sind die fehlenden öffentlichen Verkehrsmittel. Denn das Land ist infrastrukturell sehr zentralisiert auf Dublin ausgerichtet. Will man mit dem Bus, oder dem Zug ins, mit dem Auto zwei Stunden entfernte County Kerry, so fährt man über eine Stunde nach Dublin und von dort drei Stunden ans Ziel, was sich für einen Tagesausflug nicht lohnt. Also besuchen wir das, eine halbe Stunde Zugfahrt entfernte, Kilkenny. Eine wunderschöne alte Stadt, die sehr für das Feldspiel Hurling bekannt ist, das nur in Irland gespielt wird. Wir besichtigen das Schloss, gehen Irisch essen und machen eine Brauereiführung. Alles in allem ein gelungener Samstag. Am Sonntag geht es für mich und zwei Niederländische Praktikantinnen mit einem Führer in die Wicklow Mountains östlich von Carlow, wo wir durch einen Wald an einem See vorbei auf einen Gipfel wandern und Irlands ursprüngliche Natur und Landschaft zu sehen. Als der Nebel sich auflöst und die Sonne zum Vorschein kommt, eröffnet sich uns ein Weiter Blick über die die Berge und das Meer bis an die Walisische Küste.

 

Die zweite Woche beginnt mit dem ersten Arbeitstag bei der kleinen Zimmerei R&S Housing ltd. Mein Arbeitskollege Shane holt mich um Viertel vor Acht zuhause ab und wir fahren direkt auf die Baustelle, auf der ich die nächsten drei Wochen arbeiten werde. Die einheimische Bauherrin erfüllt sich ihren Traum und baut sich ihr „Farmer house“ inmitten ihrer Obst- und Gemüsegärten. Die Konstruktion steht bereits, das Dach ist gedeckt und für uns geht es in der ersten Woche an den Innenausbau: Lattung an die Decke nageln, zwischen und unter den Sparren dämmen und eine luftdichte Gebäudehülle erstellen. Meine neuen Kollegen trauen mir schon Einiges zu und ich arbeite meist zu zweit, aber auch manchmal alleine. Was mir gleich in der ersten Woche auffällt: Das, so schnell wie mögliche, Fertigstellen der Arbeit steht nicht an erster Stelle. Vielmehr das Zwischenmenschliche. Ich werde viel nach Arbeitsmethoden, Maschinen und Baumaterialien in Deutschland gefragt, aber auch einfach etwas über die Familie, oder was ich am Wochenende gemacht habe. Dadurch kommt eine persönliche Atmosphäre zustande und die Arbeit läuft nebenher von ganz allein. Meine Kollegen helfen mir immer bei sprachlichen Lücken und ich fühle mich schnell als angenommener Teil des Teams. Für das zweite Wochenende werden wir am Samstag Vormittag von einem Mitpraktikanten aus Cork abgeholt und fahren in Richtung Dublin. Mit dem Zug fahren wir dann den restlichen Weg ins Zentrum der Irischen Hauptstadt. Wir durchqueren „Temple Bar“ die touristische Straße mit tausenden Pubs und Livemusik. Außerdem sehen wir das berühmte Trinity College, die Christchurch und das Dublin Castle. Abends treffen wir uns mit den Praktikanten von Goforeurope, die in Dublin arbeiten im Pub und haben uns viel zu erzählen, bevor es mit dem Nachtbus wieder nach Carlow geht. Der Sonntag ist wunderschön und ich besuche mit dem Fahrrad Carlows „Attraktionen“ Den Brownshill Dolmen, Ein Megalithgrab und das vermutlich Größte seiner Art in Europa. Duckets Grove, ein altes Schloss, in dessen Nähe sich unsre Baustelle befindet, und den Oakpark, ein Naturschutzgebiet mit angelegten Wegen.

 

In der dritten Woche ist das Wetter schön und wir starten mit der Holzfassade aus Sibirischer Lärche, da die Irische zu schnell wächst. Eine wunderschöne Zimmererarbeit. Es macht Spaß, mit den Kollegen die verschiedenen Details zu lösen und man hat am Abend ein schhönes Ergebnis, auf das man stolz sein kann. Ich arbeite sehr viel mit meinem dortigen Chef zusammen, ein erfahrener Zimmermann und merke kaum, dass er mein Vorgesetzter ist, da er nicht auf mich herabschaut, sondern mit mir auf einer Ebene arbeitet. Er ist außer Zimmerer noch leidenschaftlicher Imker und schenkt mir gleich ein Glas seines Lieblingshonigs. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es wieder Freitag. Unser letztes ganzes Wochenende bringt uns in den Süden Irlands , nach Waterford. Die erste Irische Stadt, die von den Wickingern gegründet wurde. Wir sehen viele mittelalterliche Türme und Festungen, hören Straßenmusikern zu, bewundern riesige Gemälde an Häuserfassaden und entspannen im Park. Abends geht es wieder in unseren Stammpub in Carlow, wo wir Sudenten aus aller Welt kennenlernen, und mit vielen ins Gespräch kommen. Mir fällt auf, dass alles sehr friedlich zugeht selbst bei sehr Betrunkenen, bei denen es in Deutschland schnell mal scheppert.

 

Die letzte Arbeitswoche vergeht wie im Flug. Wir arbeiten weiter an der Fassade, aber auch im Inneren und führen einen Blower-Door test durch, um die Luftdichtheit zu überprüfen. Das Ergebnis ist super, was unsere Arbeit bestätigt. Insgesamt darf ich viel selbst machen, doch am meisten Spaß macht es natürlich im Team. Zum Abschied am Freitag bekomme ich sogar noch ein Abschiedsgeschenk: Einen Abbund-Winkel und ein Maßband. Mein Chef sagt noch, ich solle nach meiner Ausbildung zurückkommen, ein Irisches Mädchen heiraten und sie werden mir einen Job geben. Das mit dem Irischen Mädchen überleg ich mir nochmal, aber zurückkommen werde ich auf alle Fälle. Am Samstag fliegen wir nach einem „Irisch breakfast“ wieder in Richtung Südosten und sind am Abend wieder zuhause in Baden-Württemberg. Alles in Allem war das Praktikum eine sehr tolle Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen und weiterempfehlen würde.